DANIEL SCHUTTE - STIFTUNG

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Die Geschichte der Daniel Schutte - Stiftung

Daniel Schutte wurde am 28. Juni 1798 in Bremen als Sohn des Bremer Altstadtbürgers Johann Konrad Schutte und seiner Ehefrau Marie Christine geb. Brune geboren.

Die Familie Schutte soll vor der Reformation aus den heutigen Niederlanden nach Nordwestdeutschland eingewandert sein. Es finden sich sowohl im Siegerland als auch in Westfalen, aber auch in nordwestdeutschen Gegenden verschiedene Zweige der Familie.

Daniel Schutte absolvierte seine Kaufmannslehre in Bremen und Hamburg und soll schon in jungen Jahren an den Befreiungskriegen von 1813/14 teilgenommen haben.


Später ging er nach Lateinamerika und gründete in Chile, das in jenen Jahren die Gründung von Niederlassungen europäischer Firmen besonders förderte, zusammen mit dem Kaufmann Post in der Hafenstadt Valparaiso im Jahre 1822 die Firma Schutte, Post & Co. Schon nach wenigen Jahren gelangte die Firma zu außerordentlicher Blüte. Daniel Schutte war es daher Anfang der 30er Jahre bereits möglich, nach Bremen zurückzukehren und von dort aus weiterhin für die Firma Schutte, Post & Co. tätig zu sein. Zudem vertrat er die Republik Chile in Bremen als Wahlkonsul.

Im Jahr 1835 beschloss Schutte, nach Hamburg überzusiedeln. Es lässt sich bislang noch nicht feststellen, aus welchen Gründen dies geschah. Immerhin mag die schon seinerzeit erkennbar ansteigende Bedeutung des Hamburger Platzes für den Handel mit den lateinamerikanischen Ländern von ausschlaggebender Bedeutung gewesen sein.

Während die Übersiedlung in persönlicher Hinsicht und im Blick auf die Firma ohne Schwierigkeiten vonstatten ging, war es dagegen gar nicht so ohne weiteres möglich, die Position des Wahlkonsuls - oder wie wir heute sagen würden Honorarkonsuls - künftighin von Hamburg aus wahrzunehmen. Die bloße Beauftragung durch die Regierung der Republik Chile reichte insoweit nicht aus. Es war - wie dies auch heute noch gilt - das Exequatur des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg erforderlich.

Das entscheidende Hindernis auf dem Wege zur Anerkennung durch den Senat der Freien und Hansestadt Hamburg war zunächst einmal die Tatsache, dass Daniel Schutte noch das bremische Bürgerrecht besaß und das hamburgische erst erwerben musste.

Aus den entsprechenden Akten des hamburgischen Senats ergibt sich, dass Daniel Schutte zunächst um die Entlassung von seinen Pflichten gegen den Bremischen Staat und namentlich von seinen Militärpflichten gegen denselben nachsuchen musste, um sich in Hamburg niederlassen zu können. Diese wurde ihm durch den bremischen Bürgermeister unter dem 11. Dezember 1835 gewährt 8). Nun stand der Erlangung des hamburgischen Bürgerrechts und der späteren Anerkennung als Wahlkonsul der Republik Chile grundsätzlich nichts mehr im Wege. Daniel Schutte mußte aber nun seinen Militärpflichten in Hamburg genügen. Er suchte insoweit um Befreiung nach, die ihm schließlich auch gewährt wurde. Unter dem 18. Dezember 1835 wurde Daniel Schutte Großbürger und unter dem 21. Dezember 1835 als Consul der Republik Chile anerkannt.

Sein Kontor unterhielt Daniel Schutte in einem nach dem Hamburger Brand von Chateauneuf errichteten Kontorhaus in der Ferdinandstraße 63. Das in unserem Jahrhundert unter Denkmalschutz gestellte Gebäude ist ein besonders bemerkenswertes Zeugnis für die hamburgische Architektur nach dem Großen Brand von 1842, das heute im Eigentum des Bankhauses M. M. Warburg steht.

Im Jahr 1845 heiratete Daniel Schutte - jetzt schon 47jährig und nach den damaligen Begriffen ein Hagestolz - Bertha Marianne de Jongh, die Tochter von Henry de Jongh und seiner Ehefrau Henriette geb. Hesse, einer Nichte Hartwig Hesses. Die Trauung fand am 28. Juni 1845 zu St. Petri in Hamburg statt.

Der seinerzeit schon bekannte und um das hamburgische Stiftungswesen verdiente Kaufmann Hartwig Hesse hatte seine Nichte in seinem Testament mit einem Legat bedacht, von dem er anlässlich der Hochzeit mit Daniel Schutte bereits 50.000 Mark Banco als Morgengabe an den Bräutigam auszahlen ließ.

Daniel und Bertha Schutte, deren Ehe kinderlos blieb, wohnten in der Ferdinandstraße 63. Als Sommersitz erwarben sie im Mai 1858 ein Grundstück in Klein Flottbek, wie der seinerzeit zum Erwerb eines Grundstücks in den damals noch dänischen Elbvororten Hamburgs erforderliche Heimatschein vom 12. Mai 1858 ausweist.

Seit dem Jahre 1855 gehörte Daniel Schutte dem Kuratorium des in den Jahren 1825/26 gegründeten Hartwig Hesse's Witwen-Stift in St. Georg an, was seine Ursache u.a. in der durch seine Ehe mit Bertha de Jongh begründeten verwandtschaftlichen Beziehung zu Hartwig Hesse haben dürfte.

Daniel Schutte lernte so das hamburgische Stiftungswesen kennen und wurde einerseits mit seiner - wie wir heute sagen würden - sozialpolitischen Bedeutung für das hamburgische Gemeinwesen und der eigentlichen Stiftungspraxis andererseits vertraut.

Vor diesem Hintergrund muss das gemeinschaftliche Testament gesehen werden, das die Eheleute Daniel und Bertha Schutte am 13. Dezember 1882 in der Ferdinandstraße 63 errichteten. In diesem Testament 12) war bestimmt, dass die Testamentsvollstrecker den Besitz der Eheleute Schutte in Klein Flottbek veräußern und den Erlös - nach Erfüllung verschiedener Legate (Vermächtnisse) zugunsten von Verwandten der beiden Ehegatten - zu gleichen Teilen an die folgenden Hamburgischen Milden Stiftungen verteilen sollten, wobei "nur dass das sub N°= 14 genannte Hartwig Hesse Witwen Stift die doppelte Portion" erhalten sollte:

1. an das Pestalozzistift, hieselbst, 
2. an den Frauenverein zur Unterstützung der Armenpflege, hieselbst
3. an den Pensions-Verein für unverheirathete Lehrerinnen, hieselbst, 
4. an die Armencasse der Deutsch Reformierten Gemeinde, hieselbst, 
5. an die Armencasse von Klein-Flottbeck, 
6. an die Armencasse von Gross-Flottbeck, 
7. an die Gärtner Witwencasse, hieselbst, 
8. an die Gärtner Waisencasse, hieselbst, 
9. an das Asyl für blödsinnige Kinder in Alsterdorf, 
10. an die Warteschulen in Hamburg, 
11. an die Blinden-Anstalt in Hamburg, 
12. an die Taubstummen-Anstalt in Hamburg, 
13. an das Kinder Hospital in St. Georg, 
14. an das Hartwig Hesse Witwenstift, hieselbst, 
15. an den Sieveking'schen Frauenverein, hieselbst, 
16. an das Paulsenstift, hieselbst, 
17. an den Verein zur Fürsorge für die aus der Heilanstalt Friedrichsberg als geheilt entlassenen Geisteskranken, 
18. an den Franz Liszt Pensions-Verein, 
19. an die Pensions-Anstalt des Hamburgischen Stadt-Theaters, 
20. an den Wohltätigen Schulverein, 
21. an die Kinderbewahranstalt, 
22. an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, 
23. an das Katholische Marien Krankenhaus, 
24. an die Poliklinik des Vaterländischen Frauen-Hülfs-Vereins.

Ferner heißt es in diesem Abschnitt des Testaments:

Sollte unsere Besitzung in Klein-Flottbeck in Gemäßheit der Bestimmungen des § 2 unter c bereits bei Lebzeiten der Ehefrau verkauft sein, so soll ein dem erzielten Kaufpreise entsprechender Betrag aus dem Nachlass in ganz derselben Weise verwendet werden, wie dem Vorstehenden zufolge das Provenue der Besitzung selbst verwendet werden soll.

Nach weiteren Legaten in Höhe von Goldmark 500.000,- und entsprechenden Ersatzvermächtnisregelungen wird schließlich in § 13 des genannten gemeinschaftlichen Testaments bestimmt, dass der etwa verbleibende Rest - wie sich später ergab, handelte es sich um Goldmark 1.410.803,47 - "zu einer Stiftung unter dem Namen Daniel Schutte-Stiftung verwandt werden sollte." In diesem Teil des Testaments sind dann die näheren Bestimmungen im Hinblick auf die zu errichtende Stiftung enthalten.

Aufgabe der Stiftung sollte es sein, älteren, hilfsbedürftigen Damen gebildeter Stände Unterkunft sowie Wohngelegenheiten für Arbeiter und Angestellte zu schaffen.
Daniel Schutte starb am 24. August 1886, seine Frau am 5. Juli 1890.

Zu ihren Testamentsvollstreckern bestimmten sie den Kaufmann G.L.F. Diestel und den Rechtsanwalt Dr. Albert Wolffson, deren Aufgabe es sein würde, das Testament zu vollstrecken.

Aus einem Nachtragstestament von Bertha Schutte vom 28. Februar 1887 ergibt sich, dass die Eheleute Schutte zunächst auf dem Kirchhof der Reformierten Gemeinde in Hamburg bis zum Ablauf der Ruhezeit beerdigt, späterhin aber auf den schon damals geplanten und in Vorbereitung befindlichen Hauptfriedhof Ohlsdorf überführt werden sollten.

Daniel und Bertha Schutte ruhen auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Um ihr Grabdenkmal von Fritz Behn entspann sich Anfang des Jahrhunderts eine lebhafte Kontroverse, die mit ihrem Pro und Contra zum Abschluss dieses Kapitels wiedergegeben werden soll.

Andre Jolles-Amsterdam schrieb in der seinerzeitigen Hamburgischen Wochenschrift für Deutsche Kultur "Der Lotse" zu verschiedenen Grabdenkmälern von Fritz Behn und darunter auch dem von Daniel und Bertha Schutte wie folgt:

"Zuerst der riesenhafte Genius, in der Waldstraße. Man braucht wahrhaftig nicht sehr viel große Arbeiten gesehen zu haben, um zu begreifen, dass dies ein Jugendwerk ist; der Fehler hat es viele - aber was verschlagen die gegenüber den großen Qualitäten! Hier steht das mächtige Mannsbild in dem tiefsten Schmerz seines herrlichen Körpers, den göttlichen Kopf auf die schweren Arme geneigt, wie ein Schuljunge mit der Wehmut des unsterblichen Geistes, weinend über den Tod eines Menschen. Was frommen ihm die Flügel? Hier ist etwas tot, was keine Adlerfittiche mehr empor tragen können, und die Trauer über das, was nicht wiederkehrt, lähmt die unvernichtbaren Glieder. Sind auch einige Details zu tadeln, stören die zu grob modellierten Beine, wenn man näher herantritt -: das Ganze ist groß und gut, wie die Jugend, der es entsprang; und wie es dasteht in dem Kreise von treuen Bäumen, wie es in dem fahlen Herbstregen mittrauert mit den triefenden Ästen, wie es, wenn die Mittagssonne auf den Blättern flimmert und über den blanken Marmor gleißt, sich vom Licht abwendet und sich der schwarzen Erde zukehrt, haben wir hier eine Gesamtwirkung von Stein und Bäumen, die in wunderlich trauriger Harmonie erbaut und ernsthaft stimmt." 

Kurz zuvor war am 16. August 1901 in der Neuen Hamburger Zeitung ein Leserbrief mit dem Signum "K" erschienen, in dem es unter der Überschrift "Schändung des Ohlsdorfer Friedhofs" hieß:

"Auf dem Ohlsdorfer Friedhof ist neuerdings eine Marmorfigur aufgestellt, von einer so rohen Gemeinheit, dass man sich fragt, ob die Friedhofsverwaltung denn gar keine Machtbefugnis hat, dergleichen ferner zu inhibieren. Dem edlen Wohltäter Herrn Konsul Schutte, der so vielen hilfsbedürftigen Frauen Hamburgs eine Wohnstätte gab, hätte gewiss ein edleres Denkmal geziemt, als ein nackter Schlachterknecht, das jedenfalls für einen Athleten besser angebracht wäre. In der ernsten, keuschen, träumerischen Schönheit unseres großartigen Friedhofs empfindet man den Anblick wie einen Schlag ins Gesicht! Die Arbeit ist aus München gekommen; näheres konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Es werden aber hier und in München genaueste Erkundigungen eingezogen, veröffentlicht und die Sache weiter verfolgt werden, eventuell bis an die Bürgerschaft gegangen. Wusste denn die Verwaltung des Schutte-Stiftes, wem sie den Auftrag erteilte, und ist die Arbeit kontrolliert und genehmigt? Ein männlicher Akt eines jungen Akademikers ist noch lange kein Denkmal, besonders nicht für einen Kirchhof! Ein bayerischer Holzknecht aus den Isarbergen in seiner rohen Muskelkraft (war sicher das Modell, man sehe die riesigen ausgearbeiteten Hände!), selbst wenn ihm Flügel angeklebt werden, wird noch kein Seraph, den man sich von Licht und Schönheit umflossen vorstellt.

Dass es sich lediglich um eine Aktstudie handelt, sieht man, weil das Gesicht, wenn überhaupt von einem solchen gesprochen werden kann, nicht ausgeführt ist; nur ein schmaler Schlitz bezeichnet ungefähr den Mund. Vermutlich stand das Modell beim Aktzeichnen und Modellieren über eine Kiste gebückt, selbst diese Kiste ist in das Denkmal übergegangen!!!"

Die Errichtung der Daniel Schutte-Stiftung

Nach dem Tode von Bertha und Daniel Schutte war es die Aufgabe der Testamentsvollstrecker, den letzten Willen der Erblasser durch Errichtung einer Stiftung hamburgischen Rechts zur Ausführung zu bringen.

Zu diesem Zweck richteten die Testamentsvollstrecker am 14. Januar 1891 eine Eingabe an den Hohen Senat. Die Testamentsvollstrecker legten dar, dass es Aufgabe der Stiftung sein werde, einerseits "Miethe-Unterstützungen" an bedürftige Bewohner zu zahlen und andererseits ein Wohnungsstift in Hamburg zu errichten. Hinsichtlich des letzteren Vorhabens sei allerdings Voraussetzung, dass der hamburgische Staat einen geeigneten Platz dazu - wie sich selbstverständlich versteht, kostenlos - zur Verfügung stellen müsse, "widrigenfalls die Erträgnisse des betreffenden Kapitals für mildthätige Zwecke in Bremen verwendet werden sollen".

Zu dieser bemerkenswerten Bestimmung, die die Gebefreudigkeit des Senats sicherlich anspornen sollte, sei erinnert, dass Daniel Schutte gebürtiger Bremer war.

Die Eingabe wurde erstmalig am 6. Februar 1891 im Senat zur Erörterung gestellt und mit Beschluss vom 29. Mai 1891 an die Finanzdeputation weitergeleitet. Inzwischen hatten die Testamentsvollstrecker schon ein geeignetes Grundstück an der Alfredstraße/ Angerstraße - also in einem Stadtteil, in dem seinerzeit eine ganze Reihe von Stiftungsgebäuden errichtet wurden - ausfindig gemacht. Ferner war der bekannte Architekt Martin Haller beauftragt worden, ein Stiftsgebäude zu konzipieren und die entsprechenden schriftlichen Ausführungen zusammen mit den notwendigen Zeichnungen vorzulegen. Diese gesamten Unterlagen wurden der Eingabe beigefügt und durch Beschluss des Senats am 29. Mai 1891 der Finanzdeputation vorgelegt.

Zuvor hatte der Senat am 20. Mai 1891 die Mitgenehmigung der Bürgerschaft dazu beantragt, dass der zu errichtenden Daniel Schutte-Stiftung der an der Ostseite der Alfredstraße, am Orte der Angerstraße, belegene Platz, dessen Lage und Ausdehnung aus dem auf der Kanzlei der Bürgerschaft niedergelegten Vermessungsriss vom 13. Mai d. J. zu ersehen ist, unter den vorbezeichneten und den sonst üblichen Bedingungen gegen eine jährliche Recognition von M 3,- behufs Errichtung eines Wohnungsstifts überlassen werde.

Der von dem hamburgischen Staat erbetene Platz war etwa 5.630 qm groß und bis dahin unbebaut. Nach weiterer Prüfung und nachdem die Zustimmung der Bürgerschaft vorlag, genehmigte der Senat schließlich am 14. Dezember 1891 die Errichtung der Daniel Schutte-Stiftung und die vorgelegte erste Satzung.

Im Genehmigungsbeschluß heißt es hierzu:

"Daß die vorgelegten Statuten der Daniel Schutte-Stiftung zu bestätigen und zu genehmigen seien, daß Grundstücke, HypothekenPosten und Staatspapiere in den öffentlichen Büchern auf den Namen der Daniel Schutte-Stiftung geschrieben werden, wobei die Consensertheilung durch zwei Mitglieder der Verwaltung, welche sich durch einen Protokollauszug zu legitimieren haben, zu geschehen hat, sowie das zum Senats-Mitgliede für die Verwaltung in Gemäßheit § 6 der Statuten Herrn Bürgermeister Versmann dr. zu ernennen sei." Die Satzung wurde in den kommenden Jahren verschiedentlich geändert, um sie den Bedürfnissen der Stiftung anzupassen. Bis zum Jahre 1919 verblieb es aber hinsichtlich der Zusammensetzung des Vorstandes dabei, daß ein Mitglied vom Senat aus seiner Mitte zu ernennen war. Damit werde - wie es u.a. in der Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft vom 20. Mai 1891 heißt - "den staatlichen Organen eine Einflußnahme auf die Administration der aus denselben zu errichtenden Stiftungen" gewährt.

Die Testamentsvollstrecker hatten zunächst die zahlreichen Vermächtnisse zu erfüllen. Aus der im Original vorliegenden "Erbschaftssteuer-Berechnung in Testamentssachen der Eheleute Daniel Schutte und Bertha Marianne geb. de Jongh des Erbschaftsamts der Freien und Hansestadt Hamburg vom 8. August 1890" ergibt sich, dass an Erbschaftssteuern Goldmark 81.800,- gezahlt werden mussten. Hieraus lässt sich auf den Gesamtnachlass nur unvollkommen rückschliessen, da einerseits - wie erinnerlich - umfangreiche Vermächtnisse zugunsten von 24 hamburgischen Stiftungen erfüllt werden mussten und andererseits ein Kapital von rd. 1,4 Mio. Goldmark zugunsten der zu errichtenden Daniel Schutte-Stiftung verblieben.
Unter Berücksichtigung der Erbschaftssteuer-Berechnung einerseits und der ausgesetzten Vermächtnisse andererseits dürfte sich der Gesamtnachlaß aber auf über 3 Mio. Goldmark belaufen haben.

Dem Antrage auf "Zuweisung des Grundstücks an der Alfred- und Angerstraße" wurde entsprochen, so dass die Stiftung nunmehr auch in die Tat umgesetzt werden konnte. Da parallel zum Genehmigungsverfahren die Vorbereitungen für das erste zu errichtende Wohnstift gelaufen waren, konnte unverzüglich mit der Ausführung des Bauvorhabens an der Alfredstraße begonnen werden, das schon zum Herbst 1892 abgeschlossen und zum 1. Oktober 1892 von den ersten Bewohnerinnen bezogen wurde.

Die Stiftung war damit nicht nur errichtet, sondern hatte auch ihre praktische Tätigkeit aufgenommen, nachdem die erste Sitzung des Vorstands bereits am 7. Januar 1892 stattgefunden hatte.